Panakustikum
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Panakustikum
Kassel, 1992
Ausstellung von Klanginstallationen im Dock 4
Equipment: Klangbett, Klangklo, Phönhaube, Wendeltreppe, Klangloch, Telefone, Klangbleche, "Meine Freunde"
Klangbett 1 | Klangbett 2 | Telefon 1
review: docMag
Ein Klingeln geht durch den Kopf und um ihn herum. Ein Vibrieren steigt von der Wirbelsäule hin zum Nacken, fließt bis in die Fingerspitzen. Der Klang wird voller, und nach und nach taucht der gesamte Körper in ein Meer von Klängen ein. Abwechselnd berühren Töne den Solarplexus, schlagen einen Bogen um Bauch und Brustbereich.Der Herzschlag wird manchmal eins mit den Schlägen aus den Lautsprechern. Ab und zu scheinen die Schwingungen der Körper mit auszudehnen; da heißt es festhalten! Was verborgen war kommt an die Oberfläche.
Der gesund Gemeinte öffnet die Augen und findet sich unter violettem Licht einer Schwarzlichtlampe wieder, das vielleicht an eine OP-Situation im Krankenhaus erinnert. Doch mehr geborgen würde ich meinen. Nachdem die Musik verklungen ist, breitet sich eine wohlige Wärme und Ruhe aus, der Körper so schwer, daß er sich kaum mehr bewegen möchte.
Dies ist nicht etwa eine halluzinatorische Fallbeschreibung, es sind die Erlebnisse, die der Besucher im " Klangbett" der Ausstellung im Panakustikum in der ehemaligen Hausmeisterwohnung im Keller des DOCK 4 haben kann. Nachdem die Augen angestrengt durch die vielen visuellen Eindrücke der documenta müde geworden, können hier die Kräfte durch Klangkompositionen wiedergewonnen werden.
Zu sehen bzw. hören sind noch ein "Klangklo", eine "Phönhaube", welche die Auswirkungen einer Brainmachine hat, eine in Klang und Farbe gehüllte "Wendeltreppe ", ein "elektronischer Stuhl", ein "Klangloch"; eine Klanginstallation in einem Luftschacht, die wiederum tiefste Assoziationen wecken kann. Am Eingang hängen statt ihrer Mäntel die Freunde des Künstlers als unterschiedlichste Lautsprecher umformiert. Hinzu kommen die "Telefone" und die "Klangbleche", sie stehen im "Wohnzimmer" anstelle eines Fernsehapparates.
Ursprünglich ist die Idee für "Hörenswürdigkeiten" für eine x-beliebige Wohnung in Kassel konzipiert worden. Einige Klangskulpturen waren schon vor der Ausstellung fertig, wie das "Klangbett", andere haben sich raumentsprechend entwickelt. Die Musik setzt sich unter anderem aus sphärischen Klängen, gesampelten Stimmen, Industrie-, Alltags- und sämtlichen Wassergeräuschen sowie Saxophonstücken (gespielt von Eric George) zusammen.
Das Konzept der Ausstellung ist die Konfrontation des Individuums mit der Musik, also keine Konsumierung einer Massenware. Der Besucher soll hier die Möglichkeit haben, alleine ohne andere Ablenkungen die Konzerte auf sich wirken zu lassen. Dies ist eine Idee, die im Kontrast zu üblichen Konzerten steht, bei denen ein Auflauf von Menschen einem "vor sich hindümpeln" einer Band in der Ecke eines Saales beiwohnt. Der Besucher dieser Ausstellung ist somit Teilnehmer an der Musik und hat genügend Freiraum, sie für sich zu ende zu komponieren...
Bei Kaffee, O-Saft oder Bier können die Eindrücke in der "Küche" ausgetauscht werden; Der Spyra (Künstler der Ausstellung) steht täglich außer montags von 10.30 bis 12.30 und von 15.00 bis 19.00 Uhr bis zum Ende der documenta dafür bereit.
Wolfram Spyra, ehemaliger Kunststudent bei Harry Kramer an der HbK-Kassel, ist hier durch etliche Ausstellungen und Konzerte bekannt geworden, aus denen sich das Konzept von Klangskulpturen mit dazugehörigen elektronischen Kompositionen entwickelt hat. Zum "Panakustikum" ist die 64-minütige Cassette "EXCERPTS 1" erschienen. Klangmaterial aus der Ausstellung ist hierbei verwendet worden, welches zu Stücken komponiert wurde, die unabhängig von den Skulpturen funktionieren.
Eine Ausstellung mit Auswirkungen und Nachwirkungen. Ein Geheimtip zur documenta.
Ellen Kohlhaase, docMag, Sommer 1992
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